Hermine Kurotowa (herminekurotowa) wrote,
Hermine Kurotowa
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Sie haben Ihr Ziel erreicht

Jared ist nervös, als er an die Tür klopft. Er weiß nie, wie der Kunde sein oder was er verlangen wird, und Jared ist noch nicht lange genug in dem Geschäft, um nicht nervös zu sein. Und bisher weigert er sich auch, die Leute, die er besucht, anders zu nennen als Kunden.



Er kann hinter der Tür Geräusche hören, dann wird sie geöffnet. Ein Mann lehnt lässig am Türrahmen, ein Mann mit grünen Augen, die schon recht glasig aussehen. Offensichtlich ist er nicht mehr nüchtern. Mist, ein betrunkener Kunde. Jared schluckt, betrunkene Kunden sind unberechenbar.

„Bist du Jared?“ fragt der Mann. Jared nickt. „Ich bin Jensen. Komm rein.“

Der Kunde geht voraus, Jared macht die Tür hinter sich zu und folgt ihm bis ins Schlafzimmer. Was er von der Wohnung sieht, macht einen seltsamen Eindruck von Unbewohntheit: Es gibt keine Bilder an den Wänden, keine Dekoobjekte, noch nicht einmal einen Teppich. Auch im Schlafzimmer stehen nur ein Bett, eine Kommode, ein Schrank und ein Sessel vor dem Fenster. Mehr nicht.

Jensen setzt sich in den Sessel, neben dem eine halb volle Whiskyflasche und ein Glas auf dem Boden stehen. Er nimmt das Glas und schaut Jared erwartungsvoll an.

„Zieh dich aus. Hol dir einen runter.“ sagt er.

Jared starrt Jensen einen Moment lang an und fragt sich, wieso dieser Mann einen Callboy braucht. Er sieht verdammt gut aus mit seinen grünen Augen und dem kurzen, dunkelblonden Haar. Dann vergewissert er sich: „Mehr nicht? Nur...“

„Einen runter holen.“ bestätigt Jensen. Dann hält er ihm das Glas hin. „Hier, einen Schluck zum Aufmuntern?“

Einen Augenblick lang zögert Jared, dann nimmt er das Glas und stürzt einen großen Schluck hinunter. Der Whisky ist ziemlich gut, bestimmt keine billige Marke, und eine wohlige Wärme breitet sich in Jareds Bauch aus. Aufmunterung ist immer gut. Er reicht das Glas zurück. „Danke.“

Jensen prostet ihm stumm zu und trinkt das Glas leer.

Ein wenig befangen tritt Jared neben das Bett, zieht sich aus und legt seine Kleidung auf das Fußende des Bettes. Er bemerkt eine Packung Kleenex und mehrere Geldscheine auf dem Nachttisch. Offensichtlich ist sein Kunde vorbereitet. Jared setzt sich auf das Bett und stellt eine letzte Frage.

„Ähm, soll ich dich dabei ansehen?“

Jensen zuckt mit der Schulter. „Ist mir egal. Mach es so wie sonst auch.“

Jared nickt, lehnt sich auf einen Ellenbogen zurück, schließt die Augen und beginnt sich einen runter zu holen. Er hat Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Der Kunde ist bereit, gutes Geld zu bezahlen, und will dann nicht einmal angefasst werden? Vielleicht hat er später noch anderes vor, Jared ist sich nicht sicher, was noch auf ihn zukommen könnte. Er vertraut auf Mike, der ihm die Jobs vermittelt und bisher ein gutes Händchen für anständige Kunden bewiesen hat. Die Kunden, die bei Mike einen Callboy oder ein Callgirl bestellen, können für jeden Geschmack etwas finden. Und immerhin steht Jared nicht an einer Straßenecke und bietet sich feil.

Jared kann hören, wie sich Jensen Whisky nachgießt und trinkt. Er entschließt sich, an Jensen zu denken, aus dem seltsamen Gefühl heraus, dass es nur fair wäre, an den Kunden zu denken, der ihn bezahlt, auch wenn er nicht angefasst werden will. Er stellt sich vor, wie Jensen sich unter ihm windet, die grünen Augen vor Lust geweitet, der Körper von einem rosigen Schimmer überzogen. Er stellt sich vor, was er mit seiner Zunge und seinen Händen anstellen würde, und wie sich Jensen anfühlen würde, wenn Jared in ihn eindringen würde.

Diese Fantasie klappt so gut, dass es nicht lange dauert, bis Jared kommt. Er bleibt einige Augenblicke liegen, bis der Orgasmus abebbt, dann öffnet er die Augen.

Jensen sitzt immer noch in seinem Sessel, das Whiskyglas in einer Hand, die andere über seine Augen gelegt. Es sieht so aus, als ob er weinen würde.

Jared räuspert sich, aber bevor er etwas sagen kann, sagt Jensen mit belegter Stimme: „Verschwinde. Das Geld liegt auf dem Nachttisch.“

Jared wischt sich mit ein paar Kleenex sauber, zieht sich an und steckt das Geld ein. Er wendet sich zur Tür und weiß nicht, ob er noch etwas sagen soll. Aber wieder kommt ihm Jensen zuvor.

„Komm morgen wieder. Zur gleichen Zeit.“

„Okay.“ sagt Jared. „Bis morgen.“ Dann verlässt er das Schlafzimmer und die Wohnung.

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Am nächsten Tag steht Jared erneut vor der Tür und klopft. Er hat mit Mike über Jensen gesprochen, aber der hat nur mit den Schultern gezuckt und gemeint: „Es gibt mit Sicherheit schlimmere Jobs. Das ist leicht verdientes Geld. Sei froh darüber.“

Jensen lässt ihn wieder ein und wieder ist er schon deutlich angetrunken. Im Schlafzimmer deutet er auf das Bett, sagt: „Hol dir einen runter.“ und lässt sich mit dem Whiskyglas in der Hand im Sessel nieder.

Der Rest des Jobs verläuft wie am Tag zuvor. Jared holt sich einen runter, zieht sich an und kurz bevor er geht, sagt Jensen: „Morgen wieder.“

Als Jared im Hausflur steht, kommt das seltsame Gefühl über ihn, dass Jensen keinen Callboy braucht, sondern einen Therapeuten. Er kann es nicht festmachen, aber es ist schwer zu übersehen, dass etwas an Jensen nagt.

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Tags darauf fragt Jensen auf dem Weg ins Schlafzimmer: „Und wie viele Freier hast du so in der Woche?“

Jared wird rot und antwortet: „Vielleicht zwei bis drei.“

Jensen lacht halblaut. „Na, da gebe ich dir ja einiges zu tun.“ Fast hört es sich belustigt an, aber es schwingt noch ein Unterton mit, den Jared nicht einordnen kann. Jensen lässt sich in dem Sessel vor dem Schlafzimmerfenster nieder und schaut Jared aufmerksam an. „Kannst du davon leben?“

Wahrscheinlich errötet Jared noch mehr, als er meint: „Ich mache das nicht hauptberuflich. Ich studiere und verdiene mir nur etwas Geld nebenbei.“

„Oha, ein Student. Was studierst du?“

„Architektur. Ich habe zwar ein Stipendium, aber das reicht vorne und hinten nicht.“

„Ein angehender Architekt. Dann gebe ich dir einen Tipp.“ Jensen beugt sich nach vorne, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. „Mach deine Gebäude Erdbeben sicher.“ Er lehnt sich wieder in den Sessel zurück, sagt „Fang an.“ und trinkt Whisky.

Einen Moment lang steht Jared da und kämpft gegen das heftige Verlangen, seinen Kunden zu schlagen. Dann zieht er sich aus und legt sich auf das Bett. Diesmal hat er Schwierigkeiten, sich Jensen vorzustellen. Dessen Verhalten hat Jared aus der Bahn geworfen und es dauert etwas, bis er sich wieder gefangen hat. Als er es endlich geschafft hat zu kommen, ist er froh, dass er wieder gehen kann. Er macht sich sauber und gerade, als er sich anziehen will, bemerkt er, dass Jensen weint.

Jensen sitzt in dem Sessel, das Whiskyglas in einer Hand, und weint.

„Verschwinde.“ sagt Jensen, aber Jared steht wie versteinert.

„Verschwinde.“ sagt Jensen noch einmal und seine Stimme wird lauter. „Raus. RAUS HIER.“ Er wirft das Glas nach Jared, verfehlt ihn aber um einen ganzen Meter. Wahrscheinlich hat er ihn gar nicht wirklich treffen wollen.

Jared rafft seine Kleider und das Geld vom Nachttisch und flüchtet sich hinter die Schlafzimmertür. Er benötigt einen Augenblick, um sich von dem Schreck zu erholen, dann zieht er sich an. Während er sich noch das T-Shirt über den Kopf zieht, hört er Jensens Stimme durch die Tür: „Komm morgen wieder.“

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Jared überlegt lange, ob er noch einmal zu Jensen gehen soll, ob es für ihn gefährlich werden könnte. Sein Kumpel Chad rät ihm davon ab. Das tut er immer, er mag nicht, wie Jared Geld verdient, aber für Jared ist es nur ein Job mit gutem Verdienst.

„Der Kerl hat eindeutig einen an der Waffel.“ meint Chad und nimmt noch einen Schluck aus der Bierflasche.

Jared knibbelt an dem Etikett seiner Bierflasche herum. „So einfach ist das nicht. Ich glaube, er ist emotional tief gestört. Irgend etwas nagt an ihm und er kann es nicht verarbeiten. - Was?“

Chad starrt ihn mit weit aufgerissenen Augen an. „Hast du wieder die Psychologiebücher deiner Schwester gelesen?“

Jared stöhnt.

„Nein ehrlich. Wenn du schon dabei bist, solltest du dich mal selbst analysieren. Du hast einen Samariterkomplex.“

Auf Jareds ungläubigen Blick antwortet Chad mit einem heftigen Kopfnicken. „Aber klar hast du einen. Du kannst an keinem räudigen Köter vorbei gehen, ohne ihn ins Tierheim zu bringen - oder schlimmer noch, nach Hause - und die Obdachlosen und die Bettler laufen dir schon hinterher, weil sie wissen, dass du ihnen immer dein letztes Geld gibst.“

„Das hat doch damit nichts zu tun.“ brummelt Jared in seinen nicht vorhandenen Bart.

„Und wie es damit was zu tun hat. Dieser Kerl hat einen an der Klatsche und du meinst, du müsstest jetzt so lange Händchen bei ihm halten, bis er dir vor lauter Dankbarkeit um den Hals fällt und in den Sonnenuntergang reitet. Oder – nein, das ist nicht wahr.“

Chad schaut Jared so ungläubig an, dass dieser fast rot wird.

„Du bist scharf auf den Kerl.“

Jetzt wird Jared tatsächlich rot. „Das ist doch gar nicht wahr. Es ist ein simpler Job, das ist alles.“ Er atmet einmal tief aus und sagt dann: „Er bringt gutes Geld, ich gehe wieder hin.“

Er denkt an den Schmerz in Jensens Augen, an diese ausdrucksstarken grünen Augen und gesteht sich ein, dass er wahrscheinlich nicht einmal des Geldes wegen noch einmal zu Jensen gehen wird.

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Als Jensen sich in den Sessel fallen läßt, nimmt er direkt die Whiskyflasche auf und setzt sie an die Lippen. Die Flasche ist um einiges leerer als an den vorangegangenen Tagen.

Jared zieht sich das Hemd aus und will gerade die Jeans öffnen, als Jensen anfängt zu sprechen.

„Weißt du, es ist bald vorbei. Dann musst du nicht mehr kommen. Dann kannst du wunderschöne, Erdbeben sichere Gebäude entwerfen und wirst glücklich leben bis ans Ende deiner Tage.“

Jensen trinkt aus der Flasche. Jared schaut ihn aufmerksam und verwirrt an.

„Weißt du, als ich sechzehn war, habe ich meinen Eltern gesagt, dass ich schwul bin. Mein Stiefvater hat sich nie vorher abfällig über Schwule geäußert, aber als ich ihm gesagt habe, dass ich einen Freund habe, Steve, der zwei Jahre älter war als ich, da hat er mich gefragt, ob wir Sex gehabt hätten. Ich habe ja gesagt. Da hat er mich so verprügelt, dass ich bewusstlos geworden bin.“

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Als Jensen zu sich kam, lag er in seinem Zimmer, aber etwas stimmte nicht. Sein Kopf tat weh, er hatte Schmerzen im Gesicht und am Oberkörper, wo ihn sein Stiefvater geschlagen und getreten hatte. Als er versuchte, sich aufzusetzen, bemerkte er, was nicht stimmte: Seine Arme waren ausgestreckt und am Bett festgebunden, seine Beine ebenfalls. Er lag wie eine Schildkröte auf dem Rücken und konnte sich kaum rühren.

Seine Bewegungen verursachten ihm Übelkeit. Deshalb lag er wieder still und schloss die Augen. Irgendwann schlief er ein, vielleicht wurde er auch wieder bewusstlos. Als er das nächste Mal die Augen öffnete, war es draußen bereits dunkel. Im Halbdunkel in seinem Zimmer saß eine Gestalt neben ihm auf dem Bett.

„Dad...“ sagte Jensen mit Tränen erstickter Stimme.

„Nenn' mich nicht so.“ sagte sein Stiefvater und schlug ihn ins Gesicht. „Meinst du, ich habe die letzten zwölf Jahre damit verbracht, eine verdammte Schwuchtel groß zu ziehen?“ Noch ein Schlag. „Mit Sicherheit nicht.“

Dad ließ ihn allein. Jensen weigerte sich, ihn anders zu nennen. Er hatte ihn immer Dad genannt, er war immer wie ein eigener Sohn behandelt worden und nun weigerte er sich schlichtweg, seinen Stiefvater anders zu nennen, selbst als auf sein Rufen keiner kam und es im Zimmer immer dunkler wurde und er sich verzweifelt in den Schlaf weinte.

Am anderen Morgen wurde er durch etwas Kühles, Feuchtes in seinem Gesicht geweckt. Seine Mutter saß neben ihm und wusch ihm mit einem feuchten Lappen das Gesicht. Ihre Augen waren gerötet, sie sah übernächtigt aus.

„Mom.“ sagte Jensen so leise, dass es kaum zu hören war.

„Sei still, mein Schatz.“ sagte sie und fuhr mit dem feuchten Lappen über seine Stirn. „Alles wird wieder gut. Du musst nur damit aufhören.“

„Womit?“

„Mit dem Schwulsein.“

„Mom, das kann ich nicht. Du könntest mir genauso gut das Atmen verbieten. Ich habe es mir nicht ausgesucht, ich bin es einfach.“

Sie hielt ihm ein Glas Wasser an die Lippen und Jensen trank gierig.

„Jeff macht dich los, wenn du aufhörst schwul zu sein.“ sagte sie und stand von dem Bett auf.

„Momma...“

Ohne ein weiteres Wort ging sie zur Tür. Sie sah ihn mit traurigen Augen an, dann verließ sie ihn und die Tür klappte ins Schloss.

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Eine ganze Woche lang lag Jensen ans Bett gefesselt in seinem Zimmer. Als einzigen Menschen sah er seine Mutter, die ihm Wasser und manchmal etwas zu essen brachte, aber sie machte ihn nicht los. Sie ließ ihn in seinem eigenen Dreck liegen und sagte nichts zu ihm als: „Hör auf schwul zu sein, dann macht dich Jeff los.“ Jensen konnte durch die geschlossene Tür hören, wie sein Dad seine Mom anschrie, er konnte Poltern und Klirren hören und hatte Angst, dass er sie schlagen würde.

Nach einer Woche kam sein Stiefvater zu ihm ins Zimmer, baute sich vor ihm auf und schaute ihn mit vor der Brust verschränkten Armen an.

„Dad, ich bin schwul. Ich kann nichts dagegen tun, so bin ich einfach. Ich habe es mir doch nicht ausgesucht.“

Dad sagte nichts. Er ging wieder und zwei Tage lang kamen weder Dad noch Mom.

Jensen dachte, sie würden ihn verdursten lassen. Er konnte nicht glauben, dass seine Eltern so weit gehen würden, ihn verdursten und verhungern zu lassen, aber die Furcht kroch mit jeder Stunde, die verging, näher an ihn heran. Als Dad endlich kam, war Jensen so erleichtert, dass er weinen wollte. Bis sein Stiefvater anfing, ihn zu verprügeln.

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Die nächsten fünf Tage lang verprügelte ihn Dad immer wieder. Er benutzte einen Baseballschläger, seinen Gürtel und seine Fäuste. Er brach ihm keine Knochen und schlug nicht so fest zu, dass Jensen innere Verletzungen erlitt, aber er schlug systematisch auf jede Stelle von Jensens Körper, die er erreichen konnte. Seine Mom brachte ihm Wasser und wusch ihm das Blut aus dem Gesicht und weinte dabei, aber sie machte ihn nicht los.

Am sechsten Tag weinte Jensen, als Dad ins Zimmer kam.

„Dad. Hör auf. Mach mich los. Ich bin nicht mehr schwul. Bitte binde mich los.“

Sein Stiefvater schaute ihn einen Moment lang an. Dann sagte er: „Du lügst, du Schwuchtel.“ und schlug mit dem Gürtel so lange auf Jensen ein, bis er das Bewusstsein verlor.

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Jensen wusste nicht mehr, wie viele Tage vergangen waren. Einige Wunden hatten sich entzündet, er hatte Fieber und rutschte immer wieder in einen unruhigen Schlaf.

Er wachte auf und stellte zu seinem Entsetzen fest, dass auf dem Boden vor seinem Bett jemand lag. Steve. Sein geliebter Steve. An Händen und Füßen gefesselt, bewusstlos.

„Steve...“ flüsterte Jensen tonlos.

Als sich sein Vater bewegte, bemerkte Jensen, dass er offensichtlich in der Zimmerecke darauf gewartet hatte, bis er wach war.

„Dad, was soll das?“ flüsterte Jensen.

Wortlos ging Dad zu ihm und stopfte ihm ein T-Shirt als Knebel in den Mund. Jensen geriet in Panik, als er nur unzureichend durch die Nase atmen konnte. Dann trat Dad Steve in die Seite.

„Aufwachen, du Schwuchtel.“

Steve rührte sich, er stöhnte und öffnete die Augen. Als er die Situation erkannte, geriet er ebenfalls in Panik, aber bevor er schreien konnte, stopfte Dad auch ihm ein T-Shirt in den Mund.

„Du schwule Sau hast meinen Sohn schwul gemacht.“ sagte Dad mit einer grabeskalten Stimme. „Das wirst du bereuen.“

Er benutzte die gleichen Gegenstände wie bei Jensen, aber im Gegensatz zu seinem Stiefsohn hielt er sich bei Steve nicht zurück. Er verprügelte ihn mit Baseballschläger, Fäusten und Gürtel.

Jensen konnte die Knochen brechen hören. Er konnte hören, wie Steve in den Knebel schrie, und er schrie mit ihm. Er zerrte so heftig an seinen Fesseln, dass das Wunder geschah: Der Strick an seinem rechten Handgelenk, von den vielen Versuchen der vergangenen langen Tage geschwächt, riss. Jensen versuchte, die Knoten am anderen Handgelenk zu lösen, aber seine Finger waren von der langen Zeit in Fesseln steif und glitten immer wieder ab.

Dad bemerkte Jensens Versuch, sich los zu machen. Er ließ von Steve ab, setzte sich rittlings auf Jensen und hielt den rechten Arm fest. Voller Angst schaute Jensen zu ihm auf. Dad legte ihm die freie Hand über die Nase und schnitt ihm jegliche Luftzufuhr ab.

Jensen war sich sicher, dass es nun soweit war, dass seine Zeit gekommen war. Trotzdem wehrte er sich, denn es ging nicht mehr nur um ihn, es ging jetzt auch um Steve. Er wand sich unter seinem Stiefvater und versuchte, die Hand auf seiner Nase oder den Knebel in seinem Mund los zu werden, jedoch vergeblich.

Jensens Lunge brannte. Seine Bewegungen wurden schwächer, sein Blick trübte sich und der letzte Gedanke, den er bewusst fassen konnte, galt Steve. Dann glitt er in barmherzige Schwärze.

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Er kam auf Umwegen wieder zu sich. Zuerst bemerkte er die Schmerzen, dann die Kälte um ihn herum. Trotzdem fühlte er sich heiß und fiebrig. Er glaubte, auf seinem Bett zu schaukeln, bis er die Augen öffnete.

Jensen starrte an die Zimmerdecke. Er atmete mit offenem Mund und überlegte, warum das wichtig war. Ein Geräusch irritierte ihn, ein Röcheln und Stöhnen, und er drehte den Kopf zur Seite.

Steve. Oh Gott. Steve lag mit gefesselten Händen in einer Blutlache auf dem Rücken. Das T-Shirt in seinem Mund war mit Blut durchtränkt, offensichtlich hatte er innere Verletzungen. Sein ganzer Körper war von Prellungen und Hämatomen übersät, beide Arme und ein Bein schienen gebrochen. Steve sah Jensen mit glasigen Augen an. Röcheln und Gurgeln drang aus seiner Kehle, von dem Knebel gedämpft.

„Oh Gott. Steve.“ flüsterte Jensen. „Nein. Neineineinein. Steve!“

Er zerrte wieder an seinen Fesseln, aber Dad hatte ihn mit neuen Stricken festgebunden und die Hoffnung auf Freiheit war vergebens. Als Jensen das erkannte, schrie er unter Tränen, so laut er konnte. Er schrie nach Mom und Dad. Er schrie nach Hilfe, nach Steve und nach Gott. Er schrie so lange bis er heiser wurde und keine Tränen mehr hatte. Niemand kam, niemand half.

Steves Atemzüge wurden flacher, langsamer. Jensen sah ihm beim Sterben zu und konnte nichts tun außer Jammern und Wimmern. Als es vorbei war, schloss er die Augen und wünschte sich zu sterben. Er wünschte jedem in dem Haus den Tod und am meisten sich selbst.

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„Zwei Tage später kam die Polizei. Ich denke immer noch, dass Mom sie endlich gerufen hatte. Aber ich habe sie nie wieder gesehen, weder Mom noch Dad. Wahrscheinlich hat er irgendwann bemerkt, dass man selbst eine Schwuchtel nicht ungestraft umbringen kann, deshalb ist er verschwunden und Mom ist mit ihm gegangen.“

Jensen nimmt den letzten Schluck Whisky aus der Flasche. Jared sitzt auf dem Bett, halb ausgezogen, und zittert vor Fassungslosigkeit wegen der Geschichte, die er gehört hat.

„Ich habe nie wieder jemanden angefasst. Ich hatte keinen Freund und keinen Sex und keine Liebe. Seit acht Jahren bin tot. Aber es ist nicht mehr schlimm, es ist bald vorbei.“

Jensen schließt die Augen, atmet tief ein und rutscht dann von dem Sessel auf den Boden. Er würgt und erbricht sich, dann rührt er sich nicht mehr.

Jared sieht entsetzt, was Jensen erbrochen hat. Er sucht fieberhaft das Schlafzimmer ab, kann aber nichts finden. Im Badezimmer nebenan findet er schließlich eine leere Tablettendose.

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Jensen sieht zu blass aus in dem weißen Krankenhausbett, aber er lebt. Jared sitzt neben ihm auf einem Stuhl und überlegt, ob er das Richtige getan hat. Ob Jensen hatte gerettet werden wollen. Ob er würde weiterleben wollen. Jared denkt an die Geschichte, die er gehört hat, und überlegt, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn er nicht den Notarzt gerufen hätte.

Jensens Hände bewegen sich. Seine Augenlider flattern und dann schauen grüne Augen Jared an und er weiß, dass er das Richtige getan hat.

„Hi.“ sagt Jared.

~Fin~

Tags: folter, hooker!jared, hurt!jensen, jared, jensen, torture
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